Aus der Geschichte
Wer
dem heutigen Eppstein näherkommen will, für den lohnt sich ein Blick in
seine Geschichte.
Von vier Faktoren ist sie geprägt: der Burg, den Herren von Eppstein, dem
städtischen Alt-Eppstein und dem dörflichen Bremthal, Ehlhalten,
Niederjosbach und Vockenhausen. Das älteste ist die 1122 erstmals
genannte Burg. Sie war Verwaltungs- und Schutzmittelpunkt für eine
bedeutende Herrschaft. Von den Burgherren wurden Bremthal (Ersterwähnung
1233) und Eppstein (Ersterwähnung 1299) gegründet. Ehlhalten und
Niederjosbach (Ersterwähnung 1233) waren zwar Siedlungen des Mainzer St.
Stephanstifts, kamen aber noch im 13. Jahrhundert an die Herren von
Eppstein.
Diese hohe Geschlecht zählte zu den großen mittelalterlichen
Adelsfamilien des Rhein-Main-Gebiets. Vier geistliche Angehörige trieben
fast das ganze 13. Jahrhundert hindurch als Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten
deutsche Reichspolitik. Die eppsteinischen Lande erstreckten sich in
unterschiedlicher Dichte vom Odenwald bis zum Vogelsberg, vom Mittelrhein
bis zum Spessart. 1535 starben die Eppsteiner allerdings aus, und ihre
Besitzungen kamen schließlich 1581 an Kurmainz, darunter auch Bremthal,
Ehlhalten, Niederjosbach und Vockenhausen.
Alt-Eppstein,
die einstige Residenz, seit 1318 Stadt, wurde jedoch nur zur Hälfte
kurmainzisch. Die andere Hälfte hatten schon 1492 die Herren von Eppstein
an den hessischen Landgrafen verkauft. Den Vorrang in der gemeinsamen
Hoheit über Eppstein besaß Hessen, dessen Amtmann in der westlichen
Burghälfte saß. In ihrer östlichen Hälfte amtierte ein kurmainzischer
Verwaltungsbeamter. In seiner Vogtei lagen die Dörfer Bremthal, Ehlhalten,
Niederjosbach und Vockenhausen.
So blieben die staatlichen Verhältnisse, nachdem alle Teile des heutigen
Eppstein vorher jahrhundertelang zusammen zur eppsteinischen
Landesherrschaft gehört hatten, gespalten bis 1803, als die geistlichen
Staaten im Deutschen Reich aufgelöst wurden. Die jetzigen Eppsteiner
Stadtteile nahmen von nun an wieder die gleiche politische Entwicklung:
Sie fielen zunächst an das Herzogtum Nassau, dann 1866 an das Königreich
Preußen und 1945 an das Land Hessen innerhalb der Bundesrepublik
Deutschland.
Nur
langsam konnte indes das gemeinsame politische Schicksal ab 1803 den
konfessionellen Gegensatz mildern, den die unterschiedliche staatliche
Zuordnung vorher, ab 1581, bewirkt hatte. Während in dem von Hessen
bestimmten Eppstein die lutherische Konfession vorherrschte, waren die
kurmainzischen Orte rein katholisch. Heute spielen diese Unterschiede
keine Rolle mehr, besonders durch den starken Zuzug Fremder und das
Zusammenleben in der neuen Stadt Eppstein, die im Zuge der hessischen
Gebietsreform 1977 aus den vorher selbständigen Orten entstand. Die Neubürger
haben die Einwohnerschaft weitgehend umgeformt. Ähnliches war früher nie
geschehen: Die Wallonen aus dem Fürstbistum Lüttich, die nach dem 30jährigen
Krieg beim Wiederaufbau halfen, hatten sich noch ganz eingegliedert. Dabei
mangelte es in den Orten bei aller Abgeschlossenheit nicht an bedeutenden
Söhnen. Aus Vockenhausen stammt der (später geadelte) Reichsfreiherr
Johann Adam von Ickstatt (1702 1776), ein großer Jurist und Staatsmann in
bayerischen Diensten. In Eppstein wurde Theodor Fliedner (1800 1864)
geboren, Gründer des Diakonissenmutterhauses in Kaiserswerth und eine der
großen Figuren der deutschen Kirchen- und Sozialgeschichte.
Noch eine Veränderung haben die Neubürger entscheidend mitbewirkt: den
Wandel des Siedlungsbildes. Zuerst in Eppstein seit dem Ende des 19.
Jahrhunderts allmählich und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verstärkt
besonders in den anderen Stadtteilen ist es so zur Anlage immer neuer
Wohngebiete gekommen. Den alten Ortskernen braucht das nicht zu schaden.
Nach einer langen Zeit bloßer Modernisierung zeichnet sich eine Rückbesinnung
auf traditionelle Ortsbilder ab, die z.B. durch Fachwerkfreilegungen
anziehender werden dürften. Am ehesten ist dies in Alt-Eppstein zu spüren,
wo am Wernerplatz das älteste bekannte Fachwerkhaus des
Main-Taunus-Kreises steht (Burgstraße 32), seine spätgotische
Giebelfassade stammt von 1459. Unbedingt besuchen sollte man die
benachbarte Talkirche (evangelische Pfarrkirche) aus dem 15. Jahrhundert.
Ihr Inneres zeigt mit Grabmälern der Herren von Eppstein spätgotische
und mit Kanzel und Orgel barocke Formen. Die katholische Pfarrkirche (St.
Laurentius) am Rande der Altstadt wurde in neugotischem Stil 1903
errichtet.
Hoch über den Kirchtürmen erhebt sich die Burg, ursprünglich eine
romanische Rechteckanlage, dann gotisch und barock erweitert. Daß sie
teilweise Ruine ist, geht auf den Abbruch zurück, dem sie aus Unverständnis
seit 1804 unterlag. Erst 1824 wurde die Zerstörung gestoppt und seit 1929
befindet sich das ehrwürdige Bauwerk im Besitz der Stadt Eppstein. Sie
erhält es mit beträchtlichem Aufwand, fügt es aber auch in das heutige
Leben ein durch Freilichtaufführungen im Sommer (seit 1913), Feste,
Konzerte und das (seit 1908) hier untergebrachte historische Museum mit
einer umfangreichen Präsentation der Geschichte von Burg und Stadt sowie
der Herren von Eppstein (geöffnet April Oktober, sonn- und feiertags von
11.00 17.00 Uhr, samstags 14.00 17.00 Uhr, November bis März, sonn- und
feiertags von 12.00 15.00 Uhr). Die Vockenhäuser Kirche (St. Jakob)
stammt im älteren Teil von 1785, während die Bremthaler (St. Margareta)
1888 in neugotischem Stil errichtet wurde. Moderne Formen weist die
Niederjosbacher Kirche (St. Michael) von 1928 auf; aus der Vorgängerkapelle
kommen barocke Plastiken des Erzengels Michael und der Hl. Maria. Die
Ehlhaltener Kirche (St. Michael) entstand 1732. Ihre Zierde sind mehrere
barocke Skulpturen und, ganz besonders, die kleinen Figuren der vierzehn
Nothelfer aus einem ehemaligen Seitenaltar. Um die Sehenswürdigkeiten
abzurunden: Es lohnen sich Spaziergänge zum Neufvilleturm und
Kaisertempel über Alt-Eppstein und auf dem Bremthaler Waldlehrpfad. Vom
Neufvilleturm aus, 1894 für die Aufnahme einer privaten Kunstsammlung und
Jagdhaus errichtet, blickt man bis Königstein und Falkenstein, auf dem
Kaisertempel, 1894 zur Erinnerung an die deutsche Einigung 1871
geschaffen, liegt einem das alte Eppstein zu Füßen. Während Bremthal,
Niederjosbach und Ehlhalten früher hauptsächlich von der Landwirtschaft
lebten, waren die Eppsteiner wegen der Enge ihres Tales mehr auf Handwerk
und Gewerbe (besonders Eisenverarbeitung, Lederherstellung,
Farbpigmentproduktion, Leinenweberei, Branntweinbrennerei, Baugewerbe,
Schuhmacherei und Schneiderei) angewiesen. Infolge der alten, unaufhörlich
zu reparierenden Burg und durch den Residenz- bzw. Amtsortcharakter fehlte
es nicht an Aufträgen, und auch die Gasthäuser fanden durch den
Publikumsverkehr ihr Auskommen. Etliche Handwerker gab es auch in den
anderen Orten, vor allem in Vockenhausen und an Gewerben sind dort
Eisengewinnung und -verarbeitung, Lederherstellung und Köhlerei
hervorzuheben. Mittelalterlicher Herkunft ist die Förderung und Verhüttung
von Eisenerzen sowie die Weiterverarbeitung zu Geräten, Werkzeug und
Waffen in Bremthal, Ehlhalten und Vockenhausen. Bezeichnend für diese
Kleinindustrie, die erst im 19. Jahrhundert ganz verschwand, ist die
Tatsache, daß der erste Hochofen im Taunus 1581 in Vockenhausen entstand.
Noch heute befindet sich dort die sogenannte Schmelzmühle. Seit der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Bedeutung von Landwirtschaft
und überkommendem Gewerbe stetig ab, doch blühten Farbpigmentproduktion,
Lederherstellung und Schreinerei auf, wozu noch die Stanniolfabrik trat.
Die meisten Einwohner suchten freilich ihr Brot in den Betrieben und
Verwaltungen des Rhein-Main-Gebietes. Als lokale Verdienstquelle trat der
Fremdenverkehr hinzu, gegenwärtig in der Form des
Wochenendausflugsverkehrs aus den Ballungsgebieten.
Daß der Fremdenverkehr so leicht an Eppstein herankam, verdankt er den
Landstraßen, die meist erst im 19. Jahrhundert die früheren Höhenwege
ablösten. Ergänzt wurden sie durch die Eisenbahn, die an der Strecke
Frankfurt Limburg je eine Station in Eppstein (1877) und Niederjosbach
(1913) aufweist. Noch bedeutsamer ist, jedenfalls heute, die Autobahn,
deren Abfahrt Niedernhausen 1936 auf Bremthaler Gemarkung entstand .
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